Lewitz Blog

Geschichten über Lewitzer Leute

Viele Lewitzer sorgen dafür, dass im weiten Wiesenland bei Schwerin etwas los ist - oft ehrenamtlich, in einem oder gleich mehreren Vereinen. In der Lewitz heimisch zu sein heißt, sich für das gemeinschaftliche Leben zu engagieren -  alte Bräuche zu pflegen, Feste zu feiern oder einfach nur Spaß zu haben und das Zusammensein mit Nachbarn, Freunden, Bekannten und Gästen zu genießen. Unseren Blog möchten wir nach und nach mit Erzählungen über genau diese rührigen Mecklenburger füllen, die mit Leib und Seele ihre Heimat rocken.

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Wikingerschach mit dem Lewitzer Verein Kubb Mirow

Kubb Mirow – Lewitzer lassen beim Wikingerschach die Holzstäbe fliegen

06. März 2020

Vom Naturlabyrinth Goldenstädt zur „Mirower Wurfholzarena“

Foto: Kubb MirowKubb? Was ist das denn? Noch nie gehört. Mit einem großen Fragezeichen im Gesicht denkt so manch einer wohl an ein klassisches Dessert aus Vanilleeis, heißer Schokosauce und Sahne namens Coupe Dänemark. Dabei ist Kubb ganz simpel das skandinavische Wort für „Klotz“, und zwar beim Geschicklichkeitsspiel Wikingerschach. Zwei Gruppen kämpfen auf dem Rasen mit Wurfhölzern und Klötzen für ihren König. In der Lewitz hat Kubb sich zu einer rührigen kleinen Szene gemausert, die am Naturlabyrinth Goldenstädt wieder Leben in die Bude bringt. Dahinter steckt der gebürtige Gnevener Bastian Schweda (Foto mittlere Reihe, 3. von links), den es über seine Freundin aus Mirow in die Gegend verschlagen hat.

Foto: Maik Zilz PhotographySitzt man ihm gegenüber, sieht man die Begeisterung, mit der er seine „Mirower Wurfholzarena“ nach vorne bringen will – wohlgemerkt ehrenamtlich, denn hauptberuflich verdient er sich seine Brötchen als Industriekaufmann. Selbst mit dem Kubb-Virus infiziert, seitdem er 15 Jahre alt ist, gründete er Kubb Mirow 2015. Ein passendes Gelände war schnell gefunden: Goldenstädt hatte 2009 als Außenstandort der Bundesgartenschau in Schwerin eine über drei Hektar große Fläche mitsamt Aussichtsturm als Naturlabyrinth angelegt. Mit der Zeit lag das Areal mehr und mehr brach, ein Grund auch für die Gemeinde, es mit den Kubbern zu überlassen. Seitdem wird regelmäßig gemeinsam gemäht, gepflügt, gebuddelt und planiert.

Foto: Kubb MirowDie Kräuterspirale ist wiederhergerichtet, das Gelände bespielbar. Eine weitere Pflanzaktion steht kurz bevor: Beim Frühjahrsputz soll aufgeforstet werden, um im Sommer genügend Schatten spenden zu können.

Neue Mitglieder und Besucher sind willkommen

So rühren Schweda, 29jähriger Vater einer achtmonatigen Tochter, der dieses Jahr nebenbei auch noch heiraten möchte, und ein inzwischen zehnköpfiges Vorstands- und Orgateam kräftig die Werbetrommel, suchen Sponsoren, werden nicht müde, die Vorzüge des Kubbspiels zu vermitteln: ein tolles Gemeinschaftsgefühl, es ist alles möglich, jedes Spiel ist anders, nie langweilig, dauert mal fünf Minuten, mal zwei Stunden.

Foto: Kubb MirowMan erlebt ein Wechselbad der Gefühle, es wird genauso gepöbelt wie Spaß gemacht, und in jeder Runde gibt es irgendein Erfolgserlebnis. Auch Familien haben Spaß: Bei Kubb-Verrückten sind schon Kinder ab drei Jahren mit von der Partie.

Regelmäßige Trainingszeiten und Turniere

Aus einer kleinen, handverlesenen Schar verrückter „Wikinger“, die sich unregelmäßig zum Kubben traf, ist ein motiviertes Team gewachsen, das zwischen April und Oktober fest einmal pro Woche trainiert. Maik Zilz, vielen in der Region eigentlich als Fotograf bekannt, wurde als Cheftrainer ins Boot geholt. „Weil er aufgrund seines Alters eine gewisse Autorität und Ruhe ausstrahlt“, sagt Schweda augenzwinkernd.

Foto: Kubb MirowWer in die Szene hereinschnuppern oder üben möchte, wie man die Wurfhölzer am besten fliegen lässt, welche Tricks und Kniffe es gibt, sollte einfach mal vorbeischauen. Dabei hoffen die Mirower Holzjongleure nicht auf „Eintagsfliegen“, sondern Interessierte, die sich ernsthaft von ihrer Begeisterung anstecken lassen. Noch gilt die Teilnahme an der diesjährigen EM in Wismar als Spaßaktion, da sie direkt vor der Haustür stattfindet, aber wer weiß, wo die Reise noch hingeht? Kooperationen mit anderen Clubs wie Kubb SH bestehen schon, Turnier- und sogar Urlaubspläne werden schon aufeinander abgestimmt. Fest eingeplant sind in der Mirower Wurfholzarena regelmäßig vier Turniere pro Jahr:

Foto: Kubb MirowZwei Lewitzer Kubbmeisterschaften mit Aftershowparty, Hüpfburg, Getränken, Essen und Zeltmöglichkeiten, ein Wettbewerb im Dunkeln unter Flutlicht („Kubb Stockduster“) sowie das sogenannte „Flottholzwerfen“ – ein Duell für Fortgeschrittene. Wessen Herz für Kubb Mirow schlägt, verrät die Fanausstattung aus Trikot, Schal, Kugelschreiber, Feuerzeug, Mehrweg-Trinkbecher und Aufkleber. Gegen eine Spende stehen die Kubber aus Mirow gerne für Betriebsausflüge, Firmenfeiern, Schulklassen oder andere Gruppen zur Verfügung. 

Mehr Infos unter www.kubbmirow.de, www.facebook.com/KubbMirow, www.instagram.com/kubbmirow

 

 

 

Geselligkeit_Verein, 

Natur, 

Sport

Die Lewitz bietet fünf thematische Wanderwege: Vogelwelt, alte Baumriesen, Kartoffeln und Kulturelles.

Fünf neue Themen-Wanderwege in der Lewitz

17. Dezember 2019

Ein "Making of" zu Vögeln, alten Baumriesen, Kultur & Kartoffeln

Foto: Lewitz e.V.Insgesamt 95 Kilometer Wanderstrecke, fünf Themen, 40 Informationstafeln, 130 Wegweiser, 10 neue Sitzgruppen, 10.000 neue Wander- und Radkarten: Was lange währte und vor etwa vier Jahren mit der Idee begann, die Lewitz „wanderbar“ zu machen, wird endlich gut. Unsere fünf neuen Wege zur Vogelwelt, zu den Lewitzer Kartoffeln, kulturellen Besonderheiten und alten Baumriesen der Region sind kurz davor, komplett ausgestattet zu sein. Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr nach Projektbeginn stehen die ersten Infotafeln. Damit feiern wir in einer Zeit, in der sich gerade alles um Weihnachten dreht, zusätzlich unser eigenes kleines Fest – innerliche Sternstunden mit dem Duft nach Punsch, Zimt und Lebkuchen sozusagen.

Bürokratische Hürden und Warten auf das Zünglein an der Waage

Foto: Lewitz e.V.Foto: Lewitz e.V.Dabei war lange gar nicht klar, wann wir loslegen konnten. Kurzer Rückblick: Ein Wanderwegekonzept, das die Landgesellschaft MV und der Verein Lewitz e.V. auf Initiative des Lewitz e.V. gemeinsam erarbeitet hatten, lag seit 2017 fertig in der Schublade. Die Idee, Wanderwege in der Lewitz einzurichten, existierte schon seit 2015. Um die Wege in die Tat umzusetzen, musste 2018 ein Antrag auf Fördergelder aus dem LEADER-Programm her – 70.000 Euro alleine aus der Vereinskasse zu stemmen, war reine Utopie. Eine 80 Prozent-Zusage hört sich erstmal gut an, nur zog es sich eine Weile hin, neun Gemeinden davon zu überzeugen, sich im Hinblick auf die 20 Prozent in Eigenregie aufzubringenden Gelder finanziell zu beteiligen. Ein ganz schöner Ritt angesichts der Bürokratie der städtischen Haushalte, einer Kommunalwahl, die dazwischen grätschte und Ansprechpartner wechseln ließ. Schließlich lagen acht Zusagen vor, die neunte verharrte wochenlang in der Rolle des Züngleins an der Waage, bis im Mai 2019 schlussendlich alles in Sack und Tüten war. Kaum zu glauben, ein steiniger Weg war geschafft, ein passendes Ingenieurbüro für die Wanderwegelogistik schnell gefunden – wir machten uns Anfang Juni an die Arbeit.Foto: Lewitz e.V. Wir heißt in diesem Fall unser Wanderwege-Scout Peter Hinze, unser Vereinschef und Finanzminister Rainer Mönch, unser Kartoffeldoktor Frank Löser, unser begleitender Ingenieur Detlev Reincke und Netzwerk-Koordinatorin Meike Sump.

Eigentlich hätte der Projektstart schon im Dezember 2018 erfolgen sollen – Bearbeitungszeit 10 Monate, also Fertigstellung Ende Oktober 2019. Zu sportlich, wenn man erst ein halbes Jahr später den Startschuss bekommt und gleichzeitig Qualität liefern möchte. Also beantragten wir Verlängerung bis Januar 2020 für das Mammutprogramm, das auf uns wartete – dem wurde stattgegeben.

Inventur der neuen Wanderstrecken – Themen für die Infotafeln

Foto: Lewitz e.V.Jeden Wanderweg auf dem Papier unterzogen wir zunächst einem „Praxistest“. Bewaffnet mit Karten, Schreibunterlagen und Proviant hieß es rauf aufs Rad und ab auf die zukünftigen Wanderstrecken, um jeden Kilometer nochmal abzufahren. Wir haben die Wegeführung überprüft und uns überlegt, wo Wegweiser Sinn machen, welche Infotafeln wir wo aufstellen und an welchen Standorten wir neue Sitzgruppen platzieren, die so richtig zum Picknick mit Aussicht einladen. Alles wurde genauestens dokumentiert. Und vor allem: Welche Lewitzer Besonderheiten bzw. Themen verewigen wir für unsere Gäste auf den Tafeln entlang der Wege? Wer liefert uns Textvorlagen und vor allem ansprechende Fotos? Für letztere hat vor allem unser Lewitz-Ranger Ralf Ottmann gesorgt. Foto: Lewitz e.V.Auch haben wir gerne seinen Vorschlag aufgegriffen, unser Sahnestückchen unter den Hotspots der Lewitz, den Aussichtsturm an der Dütschower Brücke, mit Bildtafeln aufzuwerten. Nach dem Motto „Schon entdeckt?“ finden sich oben in der Aussichtsplattform fünf Tafeln zu den Vögeln, die dort am meisten zu beobachten sind. Zusätzlich verweisen unten am Turm verweisen zwei Aufsteller mit großflächigen Fotos auf die wichtigsten Vogelarten der Lewitz. So sind zukünftig auch ornithologisch nicht so bewanderte Besucher bestens darüber informiert, wer gerade vorbeiflattert oder majestätisch seine Kreise zieht.
Foto: Lewitz e.V.Parallel erfolgten Ausschreibungen zur Produktion der Wegweiser, für das Layout, die Graphik und Produktion der Wandertafeln, die Herstellung der Sitzgruppen, das entsprechende Holz musste beschafft, Piktogramme entworfen werden – den Zeitplan, die Kosten und den Projektfortschritt immer vor Augen. Et voilà – hier nach Wochen voller Textarbeit, Layout-Abstimmungen und logistischen Aufgaben in aller Kürze unsere neuen Wege. Ein QR-Code auf den Infotafeln führt zur Wanderseite unserer Website. Hier wird pro Weg auf Unterseiten noch die Plattform Outdooractive eingebettet, auf der sich die Wege dann im Detail wiederfinden:

Foto: Thomas HölkerKartoffelwanderweg – ca. 23 km ab Dorfplatz Banzkow
Geschichte, Anbau, Ernte, Sorten und Kocheigenschaften, „Karl Toffel Schnaps“, Tipps zur Verwendung in Küche, Haushalt und Kosmetik. Dazu eine Menge kultureller Sehenswürdigkeiten entlang des Weges.

Vogelwanderweg – ca. 16 km ab Jagdschloss Friedrichsmoor
Europäisches Vogelschutzgebiet im Wandel der Zeit, Aussichtsturm Dütschower Brücke mit 360 Grad-Blick auf das Naturschutzgebiet Lewitzer Fischteiche, Vogelzug im Frühjahr und Herbst.

Foto: Lewitz e.V.Wanderweg „Alte Riesen“ –Tour 1: ca. 10 km ab Jagdschloss Friedrichsmoor, Tour 2: ca. 17 km ab Forstscheune Bahlenhüschen
Imposante alte Eichen, auf den Spuren mecklenburgischer Herzöge durch Feld, Wald und am Störkanal entlang. Wild und herzogliche Jagd, Geschichte der Forstscheune Bahlenhüschen.

Kulturwanderweg Garwitz – ca. 11 km ab Alte Schleuse Garwitz
Kultur & Natur: malerische kleine Kirchen, Historie der Lewitzer Wasserstraßen, entlang der Elde, durch Feld und Wald bis zur agrarhistorischen Museumsanlage Pingelhof, zurück nach Garwitz.

Kulturwanderweg Klinken – ca. 17 km ab Kirche Raduhn
Kultur & Natur: Labyrinth und Schälchensteine an der Kirche Raduhn, Flora und Fauna im Naturschutzgebiet Klinker Plage, Blick auf bronzezeitliche Hügelgräber und Reste einer der am besten erforschten Wallburgen Mecklenburgs.

Wer nicht so gerne läuft, kann die Wanderwege übrigens auch mit dem Drahtesel erkunden. Teilweise ist es dann für Radler etwas buckelig oder sandig, so dass man dann und wann sein Hinterrad wieder einfangen muss. Aber im Großen und Ganzen sind die Wege eben, ohne nennenswerte Steigungen. Parkplätze befinden sich jeweils an den Startpunkten.

Foto: Ralf Ottmann/lewitzfotograf.deNeuauflage der Wander- und Radkarte
Und dann ist da ja noch die Karte, die uns sowohl für die Aufsteller draußen an den Wegen als auch für ein Printprodukt ausgiebig beschäftigt hat. Eine Neuauflage kam wie gerufen, denn die bestehende Radkarte zum Lewitzer Radrundweg war so gut wie vergriffen und auch nicht mehr up to date. So bündeln wir den Radweg und die fünf neuen Wanderwege in einer Karte und freuen uns, gleich 10.000 Stück davon drucken zu lassen. Von Grund auf haben wir erstmal die Karte auseinandergenommen – kartografisch überarbeiten lassen und selbst wie ein Puzzle überprüft und aktualisiert. Kurzum: Neu mit Piktogrammen aufgenommen sind nun Hofläden, Fischereien und Ateliers/Kunsthandwerk, um unseren Töpfereien, der Sukower Porzellanmanufaktur und weiteren Künstlern gerecht zu werden. Und: Die für die Gegend so prägenden alten Baumalleen sind eingezeichnet und somit besser zu finden. Sehenswürdigkeiten entlang der Wanderwege haben eine extra Legende erhalten, so dass auch diese besser nachvollziehbar sind. Komplett neu gestaltet ist ebenso die redaktionelle Rückseite, die kurz und knackig Foto: Ralf Ottmann/lewitzfotograf.deSehenswürdigkeiten entlang der Wege beschreibt und mit einer neuen Fotoauswahl abbildet. Wichtig war uns, die die Lewitz einrahmenden Orte Crivitz, Parchim und Neustadt-Glewe als Abstecher zu empfehlen. Die URLs www.entdeckerrouten.org, www.mecklenburg-schwerin.de, www.schwerin.de verweisen auf weitere Wandertipps in der Region. Wer die Print-Wanderkarte nach Hause geschickt bekommen möchte, schreibt einfach kurz eine E-Mail an info@die-lewitz.de


Wir finden, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Murphys Gesetz zum Trotz, dass es immer noch besser gegangen wäre, lenken wir unsere Gäste zu den schönsten Punkten der Lewitz und informieren sie ausgiebig über die Besonderheiten der Gegend. Unsere Online-Kanäle einschließlich www.facebook.com/DieLewitz sind weitere „Spielwiesen“ für Geschichten und Anekdoten.

 

Kultur, 

Natur, 

Wandern, 

Radfahren

Foto: Lewitz e.V.

Von Bratkartoffeleis, Minischwein „Fredi“ & erotisierendem Rosenduft

30. August 2019

Bauernhof-Eis mit Wildkräutern und -früchten aus eigenem Garten

Foto: Lewitz e.V.„Kuhten Tag“ – herzlich willkommen bei der Agrargemeinschaft Holthusen. Heute ist Mittwoch – Eismachtag in dem Eiscafé, das seine Gäste aus allen Ecken und Enden mit einer lächelnden Kuh begrüßt. Vor dem Eingang, neben und hinter der Theke, selbst an der Geschirrrückgabe grinst ein schwarz-weißer Kopf freundlich entgegen. Beim Anblick der aktuellen Eisbecher auf der Tafel vor ihrem Bauch läuft sogar der Empfangskuh gleich hinter der Tür das Wasser im Mund zusammen. Seit rund zehn Jahren betreiben Brigitte Roost-Krüger und Heidi Döscher ihr Hofcafé, in dem es ausschließlich selbst gemachtes Eis aus natürlichen Zutaten und ohne künstliche Zusätze gibt.

Foto: Lewitz e.V.Über 150 Sorten, 300 l pro Eistag, natürliche Zutaten wie Wildkräuter, Lupinensaft & Tannenspitzen

Anfangs produzierten die beiden Holthusenerinnen ihr Eis noch mit eigener Milch, inzwischen bekommen sie die wichtigste Zutat für ihr Eis von einem befreundeten Landwirt. Neben der Eisproduktion bauen die beiden hauptsächlich Roggen, Mais und Lupinen an. Experimentierfreudig sind sie, haben über die Jahre schon über 150 Eissorten kreiert, momentan basteln sie sogar an einer veganen Variante mit dem Saft ihrer Lupinen. Foto: Lewitz e.V.„Lupinenmilch“ gilt als sehr eiweißreich und verleiht dem Eis eine gelbliche Farbe. Viel Energie und Herzblut stecken die beiden Landwirtinnen auch in eigene Rezepturen mit Wildfrüchten/-kräutern und allem, was in ihrem selbst angelegten Garten am Café, rund um das Bürogebäude oder am Wegesrand wächst. In die Eismaschine wandert alles, was genießbar ist und die Natur saisonal hergibt. Heraus kommen klangvolle Sorten wie Mahonie/Joghurt/Quitte, Buttermilch-Löwenzahnblütenhonig, Kürbis-Orange, Joghurt-Eis mit Fruchtsalbei, Karamell-Banane, Hagebutten-Creme-Eis, Tanneneis mit Tannenspitzen, zum Herbst hin sogar Bratkartoffel- und Kartoffelschnapseis. Für alle, die keine Milch vertragen, sind immer ein bis zwei Sorten Sorbet dabei.

Foto: Lewitz e.V.
Alle Eisvariationen sind hausgemacht, nur mit natürlichen Zutaten, handwerklich produziert in der gläsernen Manufaktur, die direkt an das Café anschließt. Künstliche Konservierungsstoffe, Aromen, Farbstoffe, Bindemittel und Volumenverstärker kommen erst gar nicht in die Tüte. Als natürlicher Verdicker wird Johannisbrotkernmehl verwendet. Die gemahlenen Samen des Johannisbrotbaumes sind glutenfrei und geschmacksneutral. Nebenbei bemerkt: Jedes Samenkorn wiegt 0,18 Gramm, galt früher als Maß für Gold und Silber, denn ein Karat entspricht einem Samenkorn.

Foto: Lewitz e.V.300 Liter Eis stellt die Eismaschine jeden Mittwoch her. Die leckeren Sorten werden in Becher weiterverpackt für die große Eistruhe, wandern als Kugeln bzw. Eisbecher über den Tresen oder werden an ausgewählte Restaurants geliefert. Wer Lust hat, kann gerne einen neugierigen Blick durch die Glasscheiben in die Eisproduktion werfen. Glück hat, wer womöglich eine kleine Kostprobe frisches Eis abstaubt, denn „nie wieder schmeckt Eis so geschmeidig wie frisch aus der Maschine und zergeht so weich auf der Zunge“, sagen die beiden „Eisfeen“ mit einem Augenzwinkern.

Erotica & Candlelight im Rosengarten – Birnen am Saustall von Minischwein „Fredi“

Foto: Lewitz e.V.
Und nochmal geraten selbst die beiden gewieften Eiskennerinnen einhellig ins Schwärmen: Kein Eis duftet in gefrorenem Zustand noch so stark wie Roseneis. Selbst eingefrorene Rosenblätter verströmen noch ein betörendes Aroma, wenn man sie aus der Kühlung holt. Gleich danach auf der Skala der geruchsintensivsten Sorten kommt übrigens Gurkensorbet.

Foto: Lewitz e.V.Im eigenhändig angelegten Rosengarten scheint sich der Duft der großen weiten Welt mit Liebesschwüren beim Candlelight-Dinner zu vereinen: Die goldgelben Blütenblätter der Sorte „Marco Polo“ riechen würzig-zitronig wie die Provence und gesellen sich zu „Christoph Columbus“, „Oklahoma“ und der Edelrose „Mainauduft“. Ganz viel Musik steckt im Parfüm der „A Capella“, betörend-sinnliche bis intensiv-frisch-fruchtige Noten verströmen „Erotica“, „Liebeszauber“, „Lolita“, „Tatjana“ und eben der Teerosenduft der Sorte „Candlelight“. Trotz aller „duften“ Experimente: Die ewigen Klassiker Vanille, Schoko und Erdbeere gehen auch in Holthusen immer.

Foto: Lewitz e.V.Bei Kindern ist Schweine-Eis bzw. Fredis Lakritzeis der große Hit: schwarzes Eis mit Knallzucker, der so richtig auf der Zunge kribbelt. Namenspate war Minischwein „Fredi“, der zusammen mit seiner Schwester Fritzi und Sattelschwein Frieda zu den tierischen Hofbewohnern gehört. Für seine Eltern, Eber „Rudi“ und Minisau „Dicke“, kam es mit dem Nachwuchs 2012 wirklich ganz dicke – elf statt wie üblich höchstens sieben Ferkel erblickten das Licht der Welt. Rudi und Dicke waren einfach überfordert, Fredi wurde vernachlässigt. Er hatte jedoch „Sauglück“ und wurde kurzerhand per Flasche aufgezogen. Seitdem ist der „Frischluftfanatiker“ treuer Geselle auf dem Hof, mutierte im Alter von sechs Wochen sogar zum Medienstar, als er dem NDR-Landesfunkhaus im Körbchen einen Besuch abstattete.

Foto: Lewitz e.V.Ein Jahr später wurde er wieder eingeladen, inzwischen musste schon ein Anhänger her, um ihn nach Schwerin zu transportieren. Neben Fredis „Saustall“ wachsen Birnenbäume, auf dem gesamten Gelände der Agrargemeinschaft sind weitere Obstbäume, Kräuterbeete und Brombeerhecken verteilt. Norbert der Schafbock, Freddi der Esel und die Kühe Lotte, Suse, Blacky, Christel & Co. freuen sich ebenfalls über kleine und große Besucher und lassen sich gerne mit Heu füttern.
Foto: Lewitz e.V.Das Konzept geht auf: Das Café mitsamt großem Garten und Spielplatz ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Mit ihrem mobilen Eisstand sind Brigitte Roost-Krüger und Heidi Döscher auf Veranstaltungen vertreten, 2018 eröffneten sie sogar ein weiteres Eiscafé in Wittenförden. Und wenn einem dann doch mehr nach Herzhaftem ist: Im großen Regiomaten auf dem Holthusener Gelände gibt es Soljanka, Rindergulasch oder Königsberger Klopse im Glas.

 

Infos und Kontakt

Agrargemeinschaft Holthusen
Am Dorfteich 6
19075 Holthusen
Tel.: 03865 – 3351
E-Mail: ag-holthusen@t-online.de
www.bauernhofeis-holthusen.de

Öffnungszeiten

März – Oktober, Mo – Fr, 14 – 18 Uhr, Sa – So, Feiertage 12-18 Uhr

 

Kulinarik, 

Landwirtschaft, 

regionale Produkte

Lewitzer Agrarmuseum Pingelhof: Hallenhaus

30 Jahre Pingelhof - Abenteuer bäuerliches Leben um 1600

11. Juli 2019

Inszenierte Führungen, Schulstunden anno 1900, großer Erlebnisbereich mit historischen landwirtschaftlichen Geräten

Foto: Lewitz e.V.Etwa dreißig Kilometer südöstlich von Schwerin beginnt eine Zeitreise – zurück in das 16. Jahrhundert, als Alt Damerow noch ein kleines Rundlingsdorf mit zahlreichen Gehöften war. Zurück in eine Epoche, in der schwere körperliche Arbeit auf dem Feld, an Haus und Hof den Alltag ausmachte. Ein karges, bäuerliches Leben in düsteren, engen Stuben ohne fließendes Wasser, Elektrizität, Spül- und Waschmaschinen. Dafür mit Waschzuber, Brunnen, Holzofen und Rauchschwaden, die sich auf immer und ewig in das Gebälk eingebrannt haben.

Aber auch mit viel Liebe, Lust und Leben in den alten Dielen. Hier spielte die Musik des gesellschaftlichen Lebens – mit Wein, Weib, Gesang und Tanz auf Lehm über dicken, knarrende Eichenbohlen, wenn das Korn eingefahren war. Heute kaum mehr vorstellbar, wie viele Stunden, Tage, Nächte es mit Sense und Pferdegespannen über die Felder ging. Umso nachvollziehbarer, wie ausgelassen gefeiert wurde, wie wertvoll, gar existenzsichernd und elementar sich eine gute Ernte für unsere Vorfahren angefühlt haben muss.

Schon damals trugen viele der ansässigen Bauern den Namen Pingel, pochten nach dem Dreißigjährigen Krieg auf ihr althergebrachtes, geerbtes Recht, die Geschicke des Dorfes als Schulzenfamilie zu leiten. Acht Generationen lebten auf dem Pingelhof, der dieses Jahr seinen 30. Geburtstag als agrarhistorisches Freilichtmuseum feiert. Eröffnet am 30. September 1989, gilt er als letztes Museum der damaligen DDR. Dass man den Hof, nachdem mit Erna Pingel 1984 die letzte Bewohnerin verstorben war, nicht einfach seinem Schicksal überließ, ist vor allem Hermann Freude zu verdanken. Foto: Lewitz e.V.Der damalige Domsühler LPG-Vorsitzende hatte die Idee, ihn als Museumsanlage zu erhalten. „Nun kommt Freude auf“ ist seitdem ein beliebtes Zitat, das fällt, wenn Weggefährten ihn treffen. Der in Anlehnung an die Fußball-Weltmeisterschaft von 1954 auch als „Wunder von Domsühl“ titulierte Pingelhof zählt heute zu den ältesten und schönsten bäuerlichen Anlagen Mecklenburgs. Haus und Hof sind original erhalten, aus allen Ritzen, Ecken und Enden schlägt einem der Geruch aus 400 Jahren Geschichte entgegen. Die Spuren der Familie Pingel lassen sich am besten bei Führungen durch das Bauernhaus und über das Gelände verfolgen. 

„Pingels Erbe“ wird auf der Bühne lebendig - von Frau Mutter, Herrn Vater und berührenden Anekdoten

„Chantalle, mein Liebes“, tönt es mit flötender Stimme durch die dunkle, rustikale Diele des Pingelhofes. „Komm, wir gehen zusammen shoppen. Du könntest doch wirklich mal wieder ein neues Paar Schuhe gebrauchen, oder?“Foto: Lewitz e.V. Mit gespitzten Ohren und gespannter Miene verfolgen die Besucher in gemütlichen roten Sesseln, übrigens ursprünglich beim „König der Löwen“ im Einsatz, was auf der kleinen Bühne vor ihnen passiert. Museumsleiterin Kerstin Zimmermann überspitzt bewusst die imaginäre Begegnung mit einem verwöhnten Mädchen im rosa Rüschenkleidchen, das mit dem kargen, bäuerlichen Leben im 17. Jahrhundert so gar nichts gemein hat. Einprägsam und bildlich erzählt sie aus einer Zeit, in der der Rauch eines schornsteinlosen Ofens noch durch die alten, zugigen Gemäuer waberte. Springt zurück in die Gegenwart und nimmt die Welt der in Watte gepackten, auf Rosen gebetteten „Göre“ von heute aufs Korn.

„Geschichte wird am besten durch Geschichten lebendig“ ist sie überzeugt und schuf so ihr eigenes, persönliches Werk zur Historie des heutigen Agrarmuseums. Ein ganz besonderes sollte es sein, eines, „das unsere Gäste gleichsam unterhält und so berührt, dass ihnen auch mal das Lachen im Halse stecken bleibt.“Foto: Lewitz e.V.
Dabei war es eher ein Zufall, dass sie, die schon länger Führungen durch das Ludwigsluster Schloss gemacht hatte, 2007 mitten in den Vorbereitungen zum 400jährigen Jubiläum zum Pingelhof stieß, weil ihr Vorgänger einen Unfall hatte. Geblieben ist sie bis heute, hat einen erheblichen Anteil daran, dass es regelmäßige Veranstaltungen wie Schlachte- und Erntefeste gibt. Setzte sich für das neue Klassenzimmer ein, in dem Kinder und Erwachsene gleichermaßen eine Schulstunde anno 1900 mitmachen können. Oder besorgte Butterfässer, so dass Gruppen erleben können, wie viel Arbeit es bedeutet, Butter selber herzustellen. Bei der Gelegenheit lüftet sie auch gerne das Geheimnis, wie lange es früher dauerte, ohne Wasserkocher und E-Herd eine Tasse Tee und ein Rührei zu kochen.

Foto: Lewitz e.V.Während ihrer Hofführungen blickt sie immer wieder in die ungläubigen Gesichter ihrer Gäste, die sich kaum mehr vorstellen können, dass Kinder ihre Eltern einst mit „Frau Mutter“ und „Herr Vater“ ansprachen und wie jung sie schon in die alltägliche Arbeit in Haus, Hof und Stall eingebunden wurden. Benötigten die Kleinen, die normalerweise barfuß unterwegs waren, doch mal Schuhe, wurde einfach so lange Stroh um die Füße gewickelt, bis sie in die Holzschuhe des Vaters oder Opas passten. Noch eine ganze Menge mehr Anekdoten wie diese fesseln Besucher jedes Mal aufs Neue.
Bauersfamilie, Knechte, Mägde, das Vieh, die Feldfrüchte und allerlei Gerätschaften – alle hausten in den kleinen, dunklen Stuben unter einem Dach. „Duck di“ prangt über jeder der für heutige Verhältnisse niedrigen Türen. „Achtung ducken“ sagt Kerstin Zimmermann, wann immer sie mit ihren Gästen durch das alte Bauernhaus spaziert, immer darauf bedacht, dass keiner sich den Kopf stößt. Die alte Diele verband alle Räume miteinander, in ihr wurde gefeiert oder im Winter Getreide gedroschen.

Familie Pingels Historie: Chim Pingel überlebt den Schwedentrunk nicht, „Grotjohann“ hatte Bärenkräfte

Erheiterte Mienen erntet Kerstin Zimmermann, wenn sie die überlieferten und belegten Anekdoten zur Familie Pingel preisgibt: In Alt Damerow sind Träger des Namens Pingel seit 1518 nachweisbar. Man vermutet, dass die Pingels um 1500 aus Westfalen in die Gegend um Parchim eingewandert sind. Im westfälischen Sprachgebrauch werden ein kleinlicher Mensch oder eine quenglige Frau noch heute als pingelig bezeichnet. Als bekanntester Vorfahre gilt der um 1575 geborene Chim Pingel, der während des Dreißigjährigen Krieges mit dem Schwedentrunk ermordet wurde. Sein Sohn Cheel überlebte die Tortur und baute das Dorf nach dem Krieg wieder auf. Er starb 1702 im Alter von 94 Jahren und hatte 94 Nachfahren: 10 Kinder, 67 Enkel und 17 Urenkel. Foto: Lewitz e.V.
Innerhalb der Pingelfamilie erreichte eine Mehrzahl der damals üblichen vielen Kinder das Erwachsenenalter und verbreitete sich im Umland. Es gab es immer wieder Probleme, Familienmitglieder, die oftmals auch gleiche Vornamen trugen, auseinanderzuhalten. So bekamen viele Pingels einen charakteristischen Spitznamen verpasst: „Ringjohann“ hatte eine Vorliebe für Ringe, „Hautjohann“ erkannte man an seinem Hut und „Grotjohann“ war über zwei Meter groß. Er konnte unter jedem Arm einen 100 Kilo-Sack tragen oder soll mit seinen Bärenkräften auch den einen oder anderen Pferdewagen befreit haben, wenn dieser sich festgefahren hatte. Bis zu seinem Tod 1939 schätzten ihn die Menschen ebenso aufgrund seines Wissens über die Natur und nannten ihn daher „Späukenkieker“ (Hellseher). Sein Grab ist noch heute auf dem Friedhof an der kleinen Kirche Alt Damerow zu sehen.

Weitläufiges Außengelände mit uralten Bäumen, alter Mühle, Sägegatter, Schmiede und historischen landwirtschaftlichen Geräten

Auf dem Außengelände fällt der schöne alte Baumbestand ins Auge. Heute genießen Gäste hier Kaffee und Kuchen, früher wurden Bäume vor allem als Baumaterial angepflanzt. So sind Bauernhaus und Scheune weitgehend aus Eichen- und Eschenholz gebaut. Foto: Lewitz e.V.Eichen dienten auf den Höfen auch als Blitzschutz. Der Backofen, dessen Überreste ein größerer Lehmhaufen unter Holunderbüschen und Haselnusssträuchern war, konnte rekonstruiert werden: Ursprünglich nur durch Laubwerk geschützt, besitzt er nun ein mit Biberschwanzziegeln eingedecktes Satteldach. Dann und wann kommt er bei Veranstaltungen zum Einsatz und backt leckeres, knuspriges Brot. Daneben befindet sich ein kleiner Hühner- und Gänsestall aus dem 19. Jahrhundert. Im Kräutergarten, der wie früher direkt an das Bauernhaus angrenzt, steht auch die große schöne, aus Feldsteinen gemauerte Kräuterspirale. Dort sind Reiben und Riechen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht.

Foto: Lewitz e.V.
Zum Anwesen gehört eine große Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte, darunter Kartoffelpflanzmaschinen oder Hungerharken, mit denen, hinter ein Pferd gespannt, jeder noch so kleine Heu- oder Getreidehalm vom Feld geholt werden konnte. Hinter den Toren der Remise verbergen sich Oldtimer-Trecker wie ein Lanz Bulldog oder ein Pionier von 1950, Dreschkästen und Getreidemühlen. Rätselstationen, ein Barfußpfad und ein kleiner Spielplatz sind vor allem für Familien ein großer Spaß. Ein zum Tisch umfunktionierter 180 Jahre alter Baumstamm vermittelt auf ganz eigene Weise ein Gefühl für das Zeitgeschehen.

Foto: Lewitz e.V.
Ebenso bei Veranstaltungen werden die alte Slater Mühle von 1900, ein altes Sägegatter von 1928 sowie eine alte Schmiede zum Leben erweckt. Wenn man es besonders laut auf dem Gelände klappern und rattern hört, zeigt die etwa 115 Jahre benzolbetriebene Antriebsmaschine, dass sie noch immer einen Dreschkasten in Bewegung setzen kann. Die durch Daimler Benz in Marienfelde bei Berlin gefertigte Maschine wurde ursprünglich noch für den Pingelhof angeschafft, um in der Scheune Getreide zu dreschen.

Ohne fleißige, ehrenamtliche Helfer geht gar nichts – 20 Jahre Förderverein Pingelhof, 15 Jahre plattdeutsches Theater mit der Pingelhof Späldeel

Foto: Lewitz e.V.Eines kann man gar nicht lauter sagen: Ohne die große Schar an ehrenamtlichen Helfern könnte die Gemeinde Domsühl ihren bzw. unseren geliebten Pingelhof gar nicht so großartig am Leben erhalten. Wie die fleißigen Bienen fangen die über 30 Mitglieder des Pingelhof Fördervereins immer schon im Januar an, die Anlage auf ihre nächste Saison von April bis Oktober vorzubereiten. Beim Frühjahrsputz wird überall gefegt, gesaugt, gewienert, der Garten hergerichtet, die Maschinen gewartet und Zäune ausgebessert. Und das schon seit 20 Jahren – womit in diesem Jahr ein weiteres rundes Jubiläum im Pingelhof ansteht.

Stellvertretend stellen wir Familie Schwarz aus Parchim vor: Carsten Schwarz hatte schon dienstlich den Aufbau des Museums Pingelhof federführend begleitend und kümmert sich als gelernter Landmaschinen- und Traktorenschlosser in seinem Ruhestand nun mit Herzblut um den landwirtschaftlichen Fuhrpark. Foto: Lewitz e.V.Sein „Lieblingsspielzeug“ ist eindeutig die alte Benz-Antriebsmaschine, die er gerne immer wieder in Gang setzt und zum Beispiel an eine Getreidemühle anschließt. Stolz und mit leuchtenden Augen erzählt er Besuchern, wie die Zylinder geputzt werden müssen, wo geölt und an welchen Schrauben gedreht werden muss, damit alles weiterhin geschmeidig rattert und rumpelt. So langsam macht er sich Gedanken darüber, wer seine Schatztruhe an historischen Gerätschaften unter seine Fittiche nehmen könnte und als Nachfolger/in genauso leidenschaftlich hegt und pflegt.
Während er sich mit der Technik beschäftigt, hat sich seine Frau Karin Schwarz des Gartens angenommen. Seit über zehn Jahren kommt sie durchschnittlich zweimal pro Woche zum Pingelhof, um den Kräutergarten zu harken, zu gießen, neu zu bepflanzen und die gesamte Grünanlage in Schuss zu halten. Foto: Lewitz e.V.
Auch die plattdeutsche Theatergruppe „Pingelhof Späldeel“ ist aus einer ehrenamtlichen Initiative und mit ganz viel Herzblut entstanden. Rolf Holst, Mitte der 90er Jahre erster hauptamtlicher Museumsführer, war bzw. ist wie kein anderer Kenner des ländlichen Lebens und der plattdeutschen Sprache. Aufgrund seines umfassenden Wissens auch „Herr Pingel“ genannt, gründete er die Späldeel gemeinsam mit der Parchimer Gästeführerin Lotti Jensen. Beide fanden schnell eine ganze Reihe Mitstreiter. 15 Jahre ist das bereits her. Ein neues Theaterstück pro Jahr ist für Lotti Jensen Pflicht, die sich nebenbei auch dafür einsetzt, dass die Laienspieltruppe auch an allen möglichen anderen Orten der Region zu sehen ist.Foto: Wolfried Pätzold
„Wir möchten so lange machen, bis wir umfallen“, lautet einhellig die Devise der Pingelhof Späldeel, deren Mitglieder zwar allesamt rüstig, aber nicht mehr die jüngsten sind. So werden auch sie nicht müde, überall nach Nachwuchs-Schauspielern Ausschau zu halten.
Genauso wie Kerstin Zimmermann, die sich auch nach über 13 Jahren keinen besseren Job vorstellen kann – und immer wieder die Fühler ausstreckt nach einer bezahlbaren Holzkuh, die endlich ihren Platz in den alten Ställen an der Diele bekommt. Um es noch authentischer darzustellen: das bäuerliche Leben vor hunderten von Jahren. Um ihre Gäste weiterhin nachdenklich zu stimmen und den Wohlstand der heutigen Zeit mit anderen Augen zu sehen.

Infos und Angebote

Öffnungszeiten:

April - Schlachtefest im Oktober: Mi - So, 10 bis 17 Uhr

Eintritt:

Erw. 4,50 Euro, Kinder bis 14 J. 2 Euro (bei besonderen Veranstaltungen Erw. 5 Euro, Kinder 2 Euro, Parken 0,50 Euro)

Radlerrast: 1 Euro (Aufenthalt im Garten, Nutzung der Toiletten, kein Eintritt ins Museum)

Führungen und Erlebnisse:

Inszenierte Hofführung - Der Pingelhof, seine Geschichte(n), Menschen, gestern und heute: 4 Euro pro Person ab 15 Personen (50 Euro insgesamt bei weniger Personen)

Schulstunde anno 1900: 8 Euro pro Kind (Erwachsene 14,50 Euro) ab 10 Personen, dies beinhaltet: Eintritt ins Museum, (altersgerechte) Führung, eine Schulstunde anno 1900 und eine Bockwurst

Buttern mit Butterfässern: 10 Euro pro Kind (Erwachsene 16,50 Euro), ab 10 Personen, dies beinhaltet: Eintritt ins Museum, altersgerechte Führung, Buttern in Butterfässern, Verzehr der frischen Kräuterbutter mit frischem Brot, Bockwurst und einem Becher Kakao

Mädelsrunde: 16,50 Euro, für Erwachsene, dies beinhaltet: Eintritt, 2 Stücke Kuchen und Kaffee satt, Spinnen/Brettchenweben

Foto: Lewitz e.V.

Zusätzlich buchbar (für Gruppen und individuelle Besucher):

Aufführung der plattdeutschen Theatergruppe "Pingelhof Späldeel": 150 Euro bis 50 Personen, ab 50 Personen 3 Euro pro Person

Inbetriebnahme des alten Sägegatters, der alten Mühle, der Schmiede oder sonstiger Gerätschaften: 50 Euro pro Gerätschaft

Familienfeste, Betriebsfeiern, Klassentreffen, Projektunterricht/-tage für Kinder und Jugendliche auf Anfrage

Infos und Buchung:

Museumsleiterin Kerstin Zimmermann, Tel. 038728 20111 oder info@pingelhof-museum.de

 

Verwendete Quellen:

- Der Hof Pingel in Alt Damerow (Günter Ehrhardt, Thomas Helms), Edition Temmen, Bremen 1992
- www.diepingels.de
- Persönliche Notizen nach Gesprächen mit Kerstin Zimmermann, Wolfried Pätzold, Carsten und Karin Schwarz

 

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